„Die Industrie wehrte sich …“ – Erinnerungen von Hans Dichgans (1981)

„Eines der Umwelt-Ärgernisse der damaligen Zeit war die Schaum­schicht, die sich auf den langsam fließenden Gewässern zeigte, gelegentlich selbst in großen Schaumflächen auf dem Rhein, Folge einer ungünstigen Wirkung der allzu vielen Chemikalien, die in zunehmendem Maße in die Flüsse eingeleitet wurden. Die IPA entwickelte einen Gesetzentwurf, der die Verwendung bestimmter schaumbildender Chemikalien verbot. Die Industrie wehrte sich mit der Begründung, dieses Gesetz würde große Betriebe der deutschen chemischen Industrie wirtschaftlich ruinieren. Aber die IPA ließ sich nicht abschrecken. Das Gesetz wurde vom Bundestag beschlossen und hatte eine unerwartete Wirkung. Die deutschen Chemiker ließen sich rasch neue Mittel einfallen, welche die gleiche Wirkung hatten wie die früheren, jedoch keinen Schaum mehr bildeten. Diese Verfahren wurden patentiert. Als nun wenige Jahre später der Kampf gegen den Schaum auf den Wasserflächen auch in den übrigen Ländern der westlichen Welt aufgenommen wurde, waren die dortigen chemischen Industrien gezwungen, sich der deutschen Patente zu bedienen. Auf diese Weise sind den Unternehmungen, die zunächst gegen das Gesetz gekämpft hatten, späterhin erhebliche Lizenzeinnahmen zugeflossen.“

Quelle: Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Aufzeichnungen und Erinnerungen, 1981, S. 204f.