Hans Dichgans zu seinem Engagement gegen Fluglärm

„Ich wohnte in der Nähe des Flughafens Düsseldorf-Lohausen und hatte mich oft darüber geärgert, daß bellende Hunde Strafverfügungen auslösten, während der viel schrecklichere nächtliche Fluglärm der Düsenmaschinen sich schrankenlos ausbreitete. Besprechungen mit dem Düsseldorfer Flughafen ließen mich bald erkennen, daß alle Vorschläge, den Luftlärm einzudämmen, auf erbitterten Widerstand der Interessenten stießen.

(...)

Aber dann überdachte ich die Möglichkeit, die ich als Mitglied einer gesetzgebenden Körperschaft haben könnte, und machte mich daran, einen ersten Entwurf eines Gesetzes gegen Luftlärm zu Papier zu bringen. Das war im Jahre 1965. Otto Schmidt riet mir, die Sache der IPA zu übergeben, in deren Programm "Umweltschutz" das Thema gut hineinpasse.

Unter dem 2. März 1966 brachte daraufhin die IPA ihren Entwurf eines Gesetzes gegen Fluglärm in der Umgebung von Flughäfen unter Führung ihres Vorsitzenden Dr. Otto Schmidt (Wuppertal) mit zahlreichen Unterschriften in den Bundestag ein. Aber in der 5. Wahlperiode blieb das Gesetz unerledigt liegen. Bei Beginn der 6. Wahlperiode brachten dann die SPD und die F.D.P. ein Gesetz unter der gleichen Bezeichnung ein, das als Drucksache VI/4 (neu) eine der ersten Drucksachen der Periode wurde. Das Fluglärmgesetz wurde dann am 30. März 1971 verkündet.

Dieses Gesetz entsprach durchaus nicht der Regelung, die ich in meinem ersten Entwurf formuliert hatte. Es hatte sich als unmöglich erwiesen, Luftlärm mit den Maßstäben zu werten, die der Umweltschutz für Industrielärm seit langem erfolgreich durchgesetzt hatte. Die Flughäfen waren heilige Kühe geworden, die man nur möglichst wenig behindern durfte. Aber das Gesetz veränderte rasch das allgemeine Bewußtsein. (...)“

Quelle: Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Aufzeichnungen und Erinnerungen, 1981, S. 205f.