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Vornehme Versammlung im
Westgarten
Songam (tätig im 18. Jahrhundert)
Achtteiliger Stellschirm, Tusche und leichte Farben auf
Papier, 133 cm x 409 cm
Signatur: "von Songam gemalt, geschrieben von Ch'osa, Korea,
Chôson-Zeit, datiert 1794
Ankauf aus Mitteln des Fördererkreises des Museums für Ostasiatische
Kunst
Inv. Nr. A a 98, 1 |
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Der Stellschrim illustriert eine historische Begebenheit,
das berühmte Literatentreffen im Westgarten. Im Laufe der Geschichte
entwickelte sich dieses Bildthema zu einer Metapher für die Lebensideale
der chinesischen Gelehrtenelite, die im Malen, Schreiben, Dichten
und Musizieren die größte Erfüllung sah. So heißt es in der Aufschrift
am oberen Bildrand:
(...) keine anderen Vergnügungen des menschlichen
Lebens könnten diese übertreffen. Diejenigen, die nach Ruhm und
Gewinn streben und es nicht verstehen, sich zurückzuziehen, werden
kaum (in den Genuß dieser Vergnügungen) gelangen.
Zu dem Literatentreffen hatte der chinesische Prinz
Wang Shen, Schwiegersohn des Kaisers Yingzong (reg. 1064-1067),
sechzehn seiner Freunde eingeladen. Zu den Gästen zählten der
berühmte Maler Li Gonglin (1049-1106), der das Ereignis in einem
Bild festhielt, und der Schreibkünstler Mi Fu (1051-1107), der
eine Bildbeschreibung dazu verfaßte. Dieser Text des Mi Fu ist
im oberen Teil des Stellschrims in vollem Wortlaut zitiert.
Von rechts betritt der Betrachter zusammen mit den
ankommenden Gästen den Westgarten durch ein Tor. Im 4. bis 6.
Paneel werden figürliche Szenen vorgestellt, die im Text des Mi
Fu beschrieben sind und daher genau identifiziert werden können.
Das 4. Paneel zeigt Mi Fu begleitet von einem Kranich als Attribut
des Literaten. Er ist dabei, eine Inschrift auf einen Felsen zu
schreiben. Auf dem 5. Paneel sitzt Su Dongpos Bruder lesend an
einem Tisch, daneben der Maler Li Gonglin, der Erfinder des hier
beschriebenen Bildthemas "Vornehme Versammlung im Westgarten".
Der Aufschrift ist zu entnehmen, daß der Maler Li Gonglin an einer
Darstellung der Heimreise des berühmten Dichters Tao Yuanming
(365-427) arbeitet, welcher somit in der Literatenversammlung
indirekt präsent ist. Links am Tisch sitzt der Dichter und Schreibkünstler
Huang Tingjian (1045-1105), daneben der Begründer der Literatenmalerei
Su Dongpo (1037-1101), der den Pinsel schwingt. Ein Bach im Hintergrund
führt den Betrachter aus dem Garten heraus und leitet zur Szene
des 7. Paneels über. Dort musizieren Literaten auf Saiteninstrumenten
in Harmonie zu den Klängen des Wassers.
Das Thema der "Vornehmen Versammlung im Westgarten"
wurde in Korea im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert besonders
unter Hofbeamten populär. Ein Wandschirm, der die berühmten chinesischen
Literatenkünstler vereint zeigt, eignete sich hervorragend zur
Ausstattung eines Studierzimmers. Ausgangspunkt dieser Mode waren
die heute im Nationalmuseum in Seoul befindlichen Darstellungen
der "Vornehmen Versammlung im Westgarten" aus der Hand des berühmten
Hofmalers Kim Hongdo (1745 bis vor 1818). Er prägte den Stil seiner
Zeit, und auch der Stellschirm des Kölner Museums steht zweifelsfrei
unter seinem Einfluß. Am Ende der Aufschrift trägt der Kölner
Wandschirm eine Datierung sowie die Namen der Künstler, die mit
seiner Herstellung befasst waren: "Im mittleren Wintermonat des
Jahres Kabin (1794) gemalt von Songam und geschrieben von Ch'osa."
Leider ist über die Identität dieser Künstler bislang nichts bekannt,
doch handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Kollegen
des Kim Hongdo an der höfischen Akademie.
Im Vergleich zur chinesischen und japanischen Malerei
sind nur sehr wenige gute Beispiele koreanischer Tuschmalerei
erhalten, denn Korea ist durch Kriege und Besatzung vieler Kunstschätze
beraubt worden. Aufgrund seiner hervorragenden künstlerischen
Qualität und der Möglichkeit einer sitlistischen Einordnung in
das Umfeld des Kim Hongdo, aber auch wegen seiner genauen Datierung
und seines guten Erhaltungszustands zählt der Kölner Stellschirm
zu den wenigen herausragenden Werken koreanischer Malerei in westlichen
Sammlungen.
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