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Vergöttlichter
Laozi (Laojun)
Kalkstein, H. 56 cm
China, Tang-Dynastie, spätes 7. bis frühes 8. Jahrhundert
Ankauf aus Mitteln des Fördererkreises des Museums für Ostasiatische
Kunst und des Kultusministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen
Inv. Nr. Bc 92, 2 |
Die Figur stellt Laojun, den vergöttlichten Philosophen
Laozi dar, der im 5. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll
und als Begründer des religiösen Daoismus gilt. Vor einer nur
in Ansätzen erhaltenen Mandorla thront Laojun im Meditationssitz
auf einem Lotossockel. Der Lotosthron ist ein Attribut, das die
Daoisten vom Buddhsimus übernahmen. Das Gesicht mit dreifach gezipfeltem
Bart zeigt ein verklärtes Lächeln und strahlt vollkommene Harmonie
aus. Typisches Attribut des Laojun ist das Ruyi-Szepter,
ein Glückssymbol, das ursprünglich für den Diskurs oder die Debatte
stand. Die Arme ruhen auf einer dreibeinigen Armstütze (ji),
die nur in Ansätzen erhalten ist.
Die Veehrung des vergöttlichten Laozi innerhalb des religiösen
Daoismus erreichte in der Tang-Zeit (618-906) einen neuen Höhepunkt.
Laozi wurde nun als göttlicher Ahn der Kaiserfamilie verehrt und
diente der politischen und religiösen Legitimation des Tang-Kaiserhauses,
denn der Familienname des vergöttlichten Philosophen lautete wie
der der Kaisersippe Li. »Im Jahr 625 verfügte Kaiser Gaozu, der
Daoismus solle in der Hierarchie der Religionen an erster Stelle
stehen, gefolgt von Konfuzianismus und Buddhismus. Die wachsende
Bedeutung Laozis wurde auch durch die Aktivitäten eines daoistischen
Priesters des Louguan Tempels in der Nähe von Xi'an gefördert,
der behauptete, ein Nachfahre des Yin Xi zu sein, dem Laozi angeblich
sein berühmtes "Buch von der Tugend und ihrer Wirkkraft" (Daode
jing) überliefert hatte. Im Jahr 666 verlieh Kaiser Gaozong
dem vergöttlichten Laozi den Titel "Höchster Kaiser des uranfänglichen
Geheimnisses" (Taishang xuanyuan huangdi). 675 wurde der
daoistische Kanon neu herausgegeben und 678 erfolgte die Aufnahme
des "Buches von der Tugend und ihrer Wirkkraft" in die Liste der
für die Beamtenprüfungen vorgeschriebenen klassischen Texte. 732
war dieser Text mit einem Kommentar des Kaisers Xuanzong in Stein
gemeißelt worden und im Jahr darauf erließ der Kaiser ein Dekret,
dass jeder Haushalt über ein Exemplar dieses Buches verfügen solle.
Unter Kaiser Xuanzong (reg. 712-755), der sich als daoistischer
Priester ordinieren ließ, wurde der Daoismus zunehmend zu einem
politischen Machtinstrument. 741 ließ er in den beiden Hauptstädten
Chang'an und Luoyang sowie in den Präfekturhauptstädten daoistische
Tempel errichten, die den Namen "Tempel für den höchsten Kaiser
des uranfänglichen Geheimnisses" (Xuanyuan huangdi miao)
tragen sollten.
Ab 743 wurde Laozi sogar im Ahnentempel der Kaiserfamilie
verehrt, wodurch er vom distanzierten kosmischen Schöpfer
und abstrakten Symbol kosmischer Harmonie zum Ahnherrn der Kaisersippe
mutierte. Durch seine Verwandtschaft mit dem Kaiserhaus war er
nun eng mit dessen irdischem Schicksal verbunden und verkörperte
in der Trias der „Drei Reinen“ (Sanqing)
den Aspekt der daoistischen Lehre. In der Trias der „Drei
Reinen“ erhielt er den Namen „Himmlischer Verehrungswürdiger
des Weges und seiner Wirkkraft“ (Daode tianzun).
Außerdem gehörten zu dieser Gruppe der „Himmlische
Verehrungswürdige des ursprünglichen Anfangs“
(Yuanshi tianzun) und der „Himmlische Verehrungswürdige
des numinosen Schatzes“ (Lingbao tianzun). Die
hier vorgestellte Figur war ursprünglich Teil einer solchen
aus drei Figuren bestehenden Gruppe.
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