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Garten
der einsamen Freuden (dule yuan)
Tan Xuan (tätig zwischen 1627 und 1636)
Hängerolle, Tusche und Farben auf Seide, H. 134 cm, B. 61,
6 cm
China, Ming-Dynastie, erstes Drittel 17. Jahrhundert
Ankauf aus Mitteln des Fördererkreises des Museums für Ostasiatische
Kunst
Inv. Nr. A 2001, 2 |
Das Gemälde "Garten der einsamen Freuden" von Tan Xuan (tätig zwischen 1627 und 1636) illustriert in einmaliger Weise das Thema der Literatenkultur. Im Zentrum der Komposition ruht ein Gelehrter auf einer Nackenstütze in einem Bambushain an einem Bach, vor sich einen Tisch mit einer Teeschale und Antiquitäten, die Ausdruck seiner Liebe zum Altertum sind. Links draunter ist ein Diener mit der Zubereitung des Tees beschäftigt, indem er die glühende Kohle mit einem Blattfächer befächelt. Weitere Freuden des Gelehrten werden angedeutet durch die Angelszene am gegenüberliegenden Ufer, die auf innere Freiheit und geistige Unabhängigkeit schließen lässt, durch einen Diener, der einen Tuschereibstein wäscht, durch ein Mandarinentenpaar, das in der Nähe der sinnlichen Trauerweiden schwimmt und eheliches Glück verheißt und schließlich durch die Zither (qin), die oben von einem Diener über die Brücke herbeigetragen wird, und das Ideal der Harmonie mit den Klängen der Natur andeutet. Gepflasterte Wege führen aus dem idyllischen Garten durch Gemüse- und Kräuterbeete in einen Garten, der noch im Aufbau ist.
Das Bild des aus Suzhou stammenden professionellen Malers Tan Xuan spielt auf den berühmten "Garten der einsamen Freuden" (du le yuan) an, den der Gelehrte Sima Guang (1019-1086) im Jahr 1073 anlegte, nachdem er aus Opposition gegen die Reformpolitik des Wang Anshi sein Amt niedergelegt und sich auf seinen Privatsitz in Luoyang zurückgezogen hatte. In seinem Bericht über diesen Garten philosophiert Sima Guang über die Bedeutung des Glücks und beschreibt in sieben Gedichten verschiedene Aspekte seines Gartens, die er mit sieben berühmten Dichtern und Gelehrten der Vergangenheit in Verbindung bringt. Die Lesehalle (dushu tang) bezieht sich auf Dong Zhongshu (179-93 v. Chr.), der so eifrig Bücher studierte, dass er während drei Jahren seinen Garten nicht ein einziges Mal betrachtete. Der Pavillon zum Spiel mit dem Wasser (longshui xian) geht auf den Schreibkünstler Du Mu (803-852) zurück, der seinen Tuschereibstein in dem Bach neben seinem Studio zu waschen pflegte. Die Hütte des Anglers (diaoyu an) verweist auf Yan Guang (2.-1.Jh. v. Chr.), der ein Leben als einfacher Fischer und Bauer einer Beamtenkarriere vorzog. Das Studio zum Pflanzen von Bambus (zhongzhu zhai) spielt auf den Künstler Wang Huizhi (gest. 388) an, der sich in ein Haus inmitten eines Bambushains zurückzog und täglich ausrief: "wie könnte ich einen Tag verbringen, ohne diese Herren zu betrachten!". Das Feld der Medizinkräuter (caiyao pu) verweist auf Han Kang (1.-2. Jh. n. Chr.), der vom Verkauf von Kräutern lebte, sich aber in die Berge zurückzog, als er erfuhr, dass er für seine Ehrlichkeit berühmt geworden war. Der Pavillon zur Wässerung der Blumen (jiaohua ting) bezieht sich auf den Dichter Bo Juyi (772-846), der auf seinem Landsitz Blumen züchtete, Wein herstellte und Gedichte schrieb, während die Terrasse zur Betrachtung der Berge (jianshan tai) auf ein Gedicht des Tao Yuanming (365-427) verweist, das er nach seinem Rückzug aus dem Amt schrieb. In der Anlage seines "Gartens der einsamen Freuden" vereinte Sima Guang somit Gelehrte und Beamte der Vergangenheit, denen er sich geistig verbunden fühlte. Dies entsprach dem im Buch Menzius formulierten konfuzianischen Ideal, man solle sich "Freunde im Altertum suchen".
Auch wenn sich nicht alle Szenen des Bildes den von Sima Guang geschilderten Topoi zuordnen lassen, kann kein Zweifel bestehen, dass es sich bei Tan Xuans Gemälde um die Darstellung des berühmten "Gartens der einsamen Freuden" handelt. Eine andere Version aus der Hand des Malers Qiu Ying (ca. 1494- ca. 1552) befindet sich im Cleveland Museum of Art. Bei diesem Werk bediente sich der Maler des Querrollenformats, um die Szenen in ein zeitliches und räumliches Kontinuum einzubetten. |