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Unterwegs
Zeng Mi (geb. 1935)
Tusche auf Papier, 98, 5 cm x 55 cm
China, zweite Hälfte 20. Jahrhundert
Signatur: Sanshi louzhu
Siegel: Sanshi
Ankauf aus Mitteln des Fördererkreises des Museums für Ostasiatische
Kunst
Inv. Nr. A 97, 1 |
Zeng Mi stammt aus der Provinz Fujian und absolvierte
1962 die Akademie der Bildenden Künst Zhejiang in Hangzhou. 1968
zeigte er eine Einzelausstellung in Moskau. Während der Kulturrevolution
wurde Zeng verfolgt und 1978 im Zuge der Öffnungspolitik rehabilitiert.
1984 wurde er offiziell als Maler der Akademie anerkannt. Seither
werden seine Werke in China und im Ausland ausgestellt.
Zeng Mi verfasste mehrere kunsttheoretische Schriften
zur Xieyi-Malerei ("Niederschreiben der Konzeption") und
entwickelte die traditionelle chinesische Tuschmalerei unter dem
Einfluß westlicher Kunst konsequent weiter.
Mit seinem Künstlernamen Sanshi Louzhu (Herr des
Studios der Drei Steine) bezieht sich Zeng auf die beiden Individualisten
Shitao (1641-1710) und Shiqi (1612-1673), die in der Malereigeschichte
als "die beiden Steine" bekannt sind, sowie auf Qi Baishi (1864-1957),
den "weißen Stein". Signatur und Siegel implizieren somit eine
Hommage an diese drei bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten.
Das Bild zeigt im Vordergrund gleichsam als "Betretungsmotiv"
die Rückansicht eines einzelnen Wanderers auf einem schmalen Steg
bei der Überquerung eines steinigen Flussbetts. Leichte Lavies
und einige Konturstriche in wässriger Tusche deuten die Silhouette
eines nach oben hin unbegrenzten Begmassivs an, dessen Fuß sich
im Nebel zu verlieren scheint. Die summarische, auf ein Minimum
reduzierte Ausführung der einzelnen Bildelemente steht in der
Tradition der Xieyi-Malerei, doch verleihen die unvermittelt
leer gelassenen Flächen und der Verzicht auf einen klar definierten
Bildraum dem Werk einen komplexen, vieldeutigen Charakter, der
Ausdruck. eines modernen Lebensgefühls ist.
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