Klaus Honnef

Klaus Honnef - Autor, Kurator und Prof. em. für Theorie der Fotografie - wird 75.

Am 14. Oktober 2014 wird Klaus Honnef 75 Jahre alt. Als Kind rheinischer Eltern im ostpreußischen Tilsit wenige Wochen nach dem Beginn des 2. Weltkriegs geboren blickt der in Aachen aufgewachsene Klaus Honnef auf ein bewegtes Leben zurück.

Während seines Studiums an der Universität Köln war er zunächst freier Sportjournalist und Filmkritiker. 1965 wurde er mit knapp 26 Jahren einer der jüngsten Feuilleton-Chefs in Deutschland bei den „Aachener Nachrichten“. Zwei Jahre später kam das Unterhaltungsressort hinzu. Marie Hüllenkremer und Petra Bosetti bildete er als Redakteurinnen aus.

1968 war er Mitinitiator und Kurator des Zentrums für aktuelle Kunst „Gegenverkehr“ in Aachen. Dafür entwickelte er das erste multimediale Konzept einer künstlerischen Institution in Deutschland. Es erstreckte sich auf avancierte Kunst, Film, Musik und Literatur. 1970 wurde er Geschäftsführer des Westfälischen Kunstvereins in Münster und vier Jahre später Ausstellungschef am Rheinischen Landesmuseum Bonn. Seit 1978 versah er einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Kassel und wurde 1980 zum ersten Professor für Theorie der Fotografie in Deutschland ernannt. Bis 2010 nahm er noch zahlreiche Lehraufträge und Vertretungsprofessuren an deutschen Hochschulen und Universitäten wahr. Seit 2000 ist er wieder freier Kunstkritiker und Kurator.

Zahlreiche längst weltberühmte Künstlerinnen und Künstler verdanken Klaus Honnef ihre ersten Solo-Ausstellungen im institutionellen Rahmen – also außerhalb der privaten Galeriesphäre: Im Aachener „Gegenverkehr“ Gerhard Richter und Lawrence Weiner, im Westfälischen Kunstverein Reiner Ruthenbeck, Douglas Huebler, Sigmar Polke, Christian Boltanski und Jörg Immendorff. Außerdem richtete er Hanne Darboven mit über 4500 qm die umfangreichste Ausstellung ihrer Laufbahn ein und dem Konzeptkünstler Lawrence Weiner die erste Retrospektive mit 50 Arbeiten, die alle auf einem Plakat Platz fanden.

In Bonn waren es Jürgen Klauke, Bernhard Johannes und Anna Blume, F.C. Gundlach, Rosemarie Trockel, Isa Genzken, Candida Höfer und Walter Dahn, die ihre erste Museumsausstellung erhielten. Hier hatten auch Gisèle Freund, Alfred Eisenstaedt und Helmut Newton ihre ersten institutionellen Ausstellungen in Deutschland. Hier wurde 1975 mit einer Retrospektive von Bernd und Hilla Becher die Fotografie als künstlerisches Medium neu begründet.

Unter den vielen seiner umfangreichen thematischen Ausstellungen ragen hervor: die erste Außenkunstausstellung der Welt „Umwelt Akzente“ (1970) in Monschau mit Projekten von Günther Uecker, Peter Brüning, Winfred Gaul, Rune Mields, Jan Dibberts, Daniel Buren, Lawrence Weiner, HA Schult, Timm Ulrichs und vielen anderen. „Verkehrskultur“ in Münster, eine Ausstellung über die sichtbaren kulturellen Veränderungen durch das Auto. „Lichtbildnisse“ in Bonn, die umfassendste Übersicht über die Porträtfotografie überhaupt im 20. Jahrhundert mit Originalfotografien der Pioniere Talbot und Bayard über Nadar und Cameron, über Sander, Steichen, Beaton, Freund und Weston, über Avedon, Penn, Strelow und Karsh bis zu Sherman, Goldin und Struth; „In Deutschland“, der erste „museale“ Auftritt der „Becher-Schule“ sowie von Michael Schmidt, „Pantheon der Photographie“, eine der fünf Eröffnungsausstellungen in der Bundeskunsthalle in Bonn mit Bildern der besten Fotografen der Geschichte, „Deutsche Fotografie – Macht eines Mediums“, ebenfalls in der Bundeskunsthalle, die erste Übersichtsausstellung zum Thema bislang sowie „Bilder, die noch fehlten“ und „Von Körpern und anderen Dingen“ (mit Gabriele Honnef-Harling). Die eine zeigte einen ungewöhnlichen fotografischen Zugang zur Welt gehandicapter Menschen u.a. mit Bildern von Anton Corbijn, Nick Knight, Daniel Josefsohn, die eigens für die Ausstellungen angefertigt wurden, die andere zeigte im besonderen Licht des körperlichen Aspekts die deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert. Die letzten beiden Ausstellungen tourten durch die Welt und wurden sogar in Moskau gezeigt. Die zweite war ein Auftrag der Städtischen Galerie Prag und ging von Prag über Berlin ebenfalls nach Moskau.

Klaus Honnef realisierte darüber hinaus große Ausstellungen für das Deutsche Historische Museum (Ende und Anfang) und das Gropius Haus in Berlin (F.C. Gundlach mit Michael Koetzle u.a. sowie Hannes Kilian).

Seine mit Peter Pachnike erarbeitete Retrospektive des Werkes von John Heartfield ging von Berlin nach Bonn, dann nach New York (Museum of Modern Art) und San Francisco. Peter Lindbergh beauftragte ihn, „A Selection by Klaus Honnef“ aus seinem Werk vorzunehmen, die er in seine große Ausstellung „On Street“ bei c/o Berlin integrierte. Zuletzt kuratierte er für die Stuttgarter Privatgalerie AbtArt eine Ausstellung moderner Malerei mit dem Titel „Blicken und Sehen“.

Weltweites Aufsehen erregte seine Mitarbeit bei der documenta in Kassel. 1972 war es die epochale Section „Idee und Idee/Licht“ (zusammen mit Konrad Fischer) und 1977 (zusammen mit Evelyn Weiss und Gabriele Honnef-Harling) war er verantwortlich für die beiden Abteilungen „Malerei“ und „Fotografie“. In einer ausführlichen Übersicht von ihren Anfängen bis zum Beginn der zeitgenössischen Fotokunst trat zum ersten Mal die Fotografie auf einer documenta als eigenständiges künstlerisches Ausdrucksmittel in Erscheinung. Auch das „multimediale“ Konzept dieser heftig umstrittenen documenta trägt seine Handschrift.

Klaus Honnef ist Autor ungezählter Essays in Tages-, Wochen- und Fachzeitschriften und zahlreicher Bücher. Darunter die erste Monografie über Gerhard Richter, das erste Buch über „Conceptual Art“ sowie die Weltbestseller „Kunst der Gegenwart“ und „Andy Warhol“, übersetzt in mehr als zehn Sprachen.

Er prägte die Begriffe „Autorenfotografie“, „Analytische Malerei“ und „Inszenierte Fotografie“. Die französische Republik ernannte ihn zum Chevalier de l‘Ordre des Arts et des Lettres und er ist Träger des Kulturpreises der Deutschen Gesellschaft der Photographie. Er fungiert nach wie vor als Vorsitzender der Gesellschaft Photo Archiv e.V. in Bonn.

Weitere Informationen, siehe www.klaushonnef.de

Klaus Honnef während der Vernissage zur Karl Blossfeldt-Ausstellung, Rheinisches Landesmuseum Bonn, 1976, Foto (Ausschnitt): Franz Fischer