4. Mai bis 28. August 2015

Wie die Pop Art nach Deutschland kam

15.04. – 19.04.2015 auf der ART COLOGNE, Passage 3/11
04.05. – 28.08.2015 im ZADIK, Im Mediapark 7, 50670 Köln

Koje der Galerie Thomas mit Besucherinnen vor Tom Wesselmanns Arbeit Mouth #3,
Kunstmarkt Köln, 1968. Foto: Angelika Platen

„American Pop really turns on German Art-Lovers“, lautete die Schlagzeile, unter der die New York Times am 27. November 1970 über eine Auktion der Parke-Bernet Galleries berichtete, in der ein Bieter mehr als jeder andere im überfüllten Saal beachtliche Aufmerksamkeit erregte: "Rudolf Zwirner, a 37 year old blond, blue-eyed German dealer from Cologne who soars to the staggering height of 7 feet". Der Verfasser berichtete mit Erstaunen von heftigen Bietgefechten und davon, dass Zwirner Roy Lichtensteins Brushstroke ersteigerte für die damals "astronomische" Summe von 75.000 Dollar, die bis dato noch nie für einen lebenden amerikanischen Künstler bezahlt worden war. Außerdem bot Zwirner 45.000 Dollar für Claes Oldenburgs Softskulptur Stove, ebenfalls ein Auktionsrekord für eine Plastik eines lebenden amerikanischen Künstlers. Die Reaktionen der amerikanischen Händlerkollegen waren alles andere als positiv. Besonders beunruhigt über diese europäische Konkurrenz zeigte sich Leo Castelli: „Americans never should have let important pieces like the Lichtensteins and Oldenburgs slip out of their hands.“

Castelli und mehr noch seine Frau Ileana Sonnabend wachten eifersüchtig über ihre Pop Artists, die sie über Sonnabends Pariser Galerie gerne alleine in Europa vertreten hätten, wo sich amerikanische Kunst damals immer noch zuerst bewähren musste. Am Ende aber waren es deutsche Sammler, Galeristen und Kuratoren, denen die Pop Art ihren internationalen Durchbruch und eine enorme Wertsteigerung zu verdanken hatte.

Mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Bild- und Textdokumenten lässt das ZADIK die ersten zehn Jahre der Pop Art in Deutschland Revue passieren. 1963 war hier in vielen Fällen das Schlüsseldatum des Erstkontakts. Gerhard Richter, Sigmar Polke, Konrad Lueg und Manfred Kuttner setzten sich in ihrer Kaiserstraßenausstellung mit der zunächst überwiegend aus amerikanischen Kunstzeitschriften bekannten Bewegung auseinander. Im selben Jahr flog ein ganzes Flugzeug voller Galeristen, darunter Schmela und Zwirner, Kuratoren und Kritikern nach New York, und man besuchte Ateliers und knüpfte erste Geschäftsbeziehungen an. Trotz polemischer Kritiken traf die Pop Art in Europa und vor allem in Deutschland, auf eine weit offenere Rezeption als in Amerika. Die documenta 3, 1964, zeigte Johns und Rauschenberg, auf der Biennale di Venezia firmierten die beiden bereits mit Jim Dine und Claes Oldenburg unter dem Label Pop Art, und Rauschenberg erhielt den Biennale-Preis. Für Rolf Ricke war im Herbst 1964 die Rauschenberg-Ausstellung im Krefelder Haus Lange der Auslöser für eine Expedition nach New York, insbesondere zu Tatyana Grosmann und ihrer Universal Limited Art Edition und zur Paul Bianchini Gallery, die, wie auch Richard Bellamy und Sidney Janis, den deutschen Galeristen gegenüber zugänglicher war. Einen ersten großen Popularitätsschub erlebte die Pop Art in Deutschland mit dem Kunstmarkt Köln '67, für den Robert Indiana das Plakat entworfen hatte. Im folgenden Jahr 1968 war sie dort und auch auf der documenta 4 prominent und vielfach vertreten. Einer der ersten deutschen Sammler amerikanischer Pop Art war Wolfgang Hahn, auf ihn folgten Heinz Beck (konzentriert auf Grafik) und dann - nun in ganz anderen Dimensionen - Karl Ströher und Peter Ludwig. Ströhers durch Franz Dahlem und Heiner Friedrich vermittelter Ankauf der Pop Art Sammlung des 1967 verstorbenen New Yorker Versicherungsmaklers Leon Kraushar im Jahr 1968 war eine der spektakulärsten Aktionen in der Sammlergeschichte der deutschen Nachkriegszeit, in die sich dann als nächste Sammlerpersönlichkeiten Peter und Irene Ludwig eingeschrieben haben. Ihre ab 1967 in Zusammenarbeit mit Rudolf Zwirner angelegte Pop Art Sammlung gehört heute zu den international bedeutendsten.

Zur Ausstellung erscheint unter dem gleichen Titel das reich bebilderte Doppelheft sediment 25/26 mit Texten von und zu Franz Dahlem, Heiner Friedrich, Kasper König, Konrad Klapheck, Rolf Ricke, Andreas Vowinckel und anderen.