8. Mai bis 1. September 2017

Galerie Springer, Berlin, 1948-1998

25. – 29.04. auf der ART COLOGNE 2017, Passage 11/3; 08.05. – 01.09.2017 im ZADIK

Rudolf Springer, um 1951
Foto: Usa Borchert

Rudolf Springer gehörte zu den ersten und wenigen Galeristen, die bereits in den frühen Nachkriegsjahren in Berlin aktiv waren. Als Urenkel des Wissenschaftsverlegers Julius Springer, geb. am 9.4.1909 in Berlin, war er ab 1947 zunächst als Ausstellungsleiter der Berliner Galerie Gerd Rosen tätig und stand bereits vor dieser Zeit in freundschaftlicher Verbindung zu Theodor Werner und Will Grohmann. Seine ersten eigenen Galerieräume eröffnete Springer am 8.12.1948 im elterlichen Haus in Berlin-Zehlendorf. Zunächst präsentierte er vorwiegend deutsche und einige französische Künstler wie Hans Uhlmann, Werner Heldt, Heinz Trökes, Karl Hartung, André Masson, Henri Laurens, Willi Baumeister, Hans Arp, Hans Bellmer, Ernst Wilhelm Nay und WOLS. Mit seinem Umzug 1950 in die Räume der 'Maison de France' (Ecke Kurfürstendamm/ Uhlandstr.), die ihm die Besatzungsmacht zur Verfügung gestellt hatte, folgten Ausstellungen französischer Künstler wie "10 junge Künstler aus Paris". Durch seine frühen Kontakte nach Frankreich reiste er regelmäßig zwischen Berlin und Paris hin und her und pflegte sehr gute Kontakte zu französischen Künstlern. Eine weitere Dependance bot ihm 1953 das legendäre Restaurant 'Quartier Bohème' (Ecke Kurfürstendamm/ Wilmersdorferstraße), das ihm eine Ausstellungswand zur Präsentation junger Künstler zur Verfügung stellte. 1954 bezog Springer neue Galerieräume in einem Hinterhofhaus am Kurfürstendamm 16, die er mit einer Max-Ernst-Ausstellung eröffnete.

Springer verfolgte ein breites Galerieprogramm und war offen gegenüber Kunstgattungen und -richtungen. Bereits ab 1956 stellte er den ostdeutschen Künstler Gerhard Altenbourg aus oder unterstützte und förderte auch Individualisten wie Friedrich Schröder Sonnenstern, einen der bekanntesten Vertreter der Art Brut bzw. Outsider Art. In den 1960er Jahren kamen Georg Baselitz, die Amerikaner und Engländer Sam Francis, Allan Jones und der damalige Skandal-Schriftsteller Henry Miller (Aquarelle) hinzu - und als Praktikanten stellte er 1960 Michael Werner ein. 1968 fand Springer sein Domizil in der Fasanenstrasse, wo auch zeitweilig die Hausmitteilungen 'Fasanenstrasse 13' erschienen. Springer gehörte zu den Gründungsgaleristen der weltweit ersten Messe für zeitgenössische Kunst (Kunstmarkt Köln '67). Neue Künstler im Programm der 70er Jahre waren Christian Ludwig Attersee, der Amerikaner William Copley, die Berliner Künstlerin Christa Dichgans (Springers vierte Frau), der österreichische Aktionskünstler Günter Brus und im nächsten Jahrzehnt waren es bekannte deutsche Künstler wie Markus Lüpertz, Georg Baselitz, A.R. Penck, Jörg Immendorff und Ina Barfuss und Thomas Wachweger.

1998 zog sich Rudolf Springer aus dem Geschäft zurück. Sein Sohn Robert, der seit 1991 gemeinsam mit Gerald Winckler eine Galerie in Frankfurt a. M. betrieb, übernahm die Weiterführung der Berliner Galerie, die am 26.9.1998 mit einer Ausstellung Andy Goldsworthys wiedereröffnet wurde.

Der Bestand der Galerie Rudolf Springer (A 22) zählt zu den ältesten und wertvollsten im ZADIK. Er dokumentiert vorzüglich die Lebensleistung eines der bedeutendsten Berliner Galeristen des 20. Jahrhunderts, dessen eigenwilliges Galerieprogramm er wie folgt beschrieb: "Ich habe ja nie etwas gemacht, was ich nicht wollte. Ganz gleich wie schlecht es war, ich habe nur Kunst gezeigt, an der ich irgendwie beteiligt war. Ich wollte eben keine Sortengalerie, ich wollte auch meinen Charakter vermitteln."

Zur Ausstellung erscheint unter dem gleichen Titel im Verlag für moderne Kunst Wien sediment 27, gefördert von der Rudolf Augstein Stiftung, mit 96 Seiten und zahlreichen SW-Abbildungen.

Auf der Messe finden Sie uns - wie letztes Jahr - in der Passage 11, 3, schräg gegenüber der Buchhandlung Walther König.