Falko Marx

Herr Marx, wie kam es damals dazu, dass Sie Kunst professionell gemacht haben?

Mir fiel nichts anderes ein - das war reine Verlegenheit. Aber ich wollte etwas anderes als den konventionellen Schmuck machen. Deshalb bin ich nach Abschluss einer Lehre anschließend auf die Fachhochschule in Köln in die Goldschmiedeklasse gegangen und habe 10 Semester bei Elisabeth Treskow studiert. Und da war mir schon klar, dass ich was anderes mache, auch zeichne.

Woran lag es denn, dass Sie als Goldschmied als Künstler anerkannt worden sind, zusammen mit anderen Künstlern ausgestellt haben?

Andere Künstler haben sich für mich eingesetzt.

Würden Sie heute noch einmal denselben Weg wählen?

Heute wäre ich lieber Millionär.

Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 20 - 25 Jahren gegenüber früher verändert?

Kunst ist Konsum geworden.

Kunst jetzt - welche Ihrer Vorstellungen sind wichtig geworden? Haben Sie als Person oder mit Ihrem Werk oder mit beidem Einfluss nehmen können auf andere, oder war Ihnen das nicht wichtig?

Ich wollte die Leute mit meinen Arbeiten überraschen.

Kunst und Geschäft: Ist es heute leichter, verstanden und gekauft zu werden? Sammler, Galeristen, Öffentliche Hand: Was ist anders, besser oder schlechter geworden?

Kunst verkauft sich heute besser.

Möchten Sie kunstkommerziell heute etwas ganz anders haben? Was müsste man Ihrer Meinung nach tun?

Die Karawane zieht weiter.

Köln - für Sie ein notwendiger oder ein beliebiger Platz? Gibt es Köln bezogene Wichtigkeiten für Sie heute noch, oder könnten Sie sich heute eine bessere, fruchtbarere Umgebung vorstellen?

Ich könnte mir auch eine andere Umgebung vorstellen.

Köln – Provinz, Weltstadt, Sprungbrett, Hindernis? Wäre für Sie eventuell etwas anders gelaufen, wenn Sie nicht in Köln gearbeitet hätten?

Nein, an sich nicht.

Öffentlichkeit, Gesellschaft, Stadt Köln - Haben Sie bei der Realisierung Ihrer Ideen Unterstützung gefunden, auch materielle?

Ja, in erster Linie ideelle, durch den Kölnischen Kunstverein, durch das Museum für angewandte Kunst und durch Galerien, z.B. Jöllenbeck.

 Gab es damals etwas Wichtiges, was Sie konkret nicht realisieren konnten?

Ich glaube nicht.

Gibt es etwas, was Sie heute sofort tun würden, wenn Sie ohne Limit die Möglichkeit dazu geboten bekämen?

Ja. Ich würde die Domplatte abreißen und den ursprünglichen Zustand wieder herstellen lassen.

Szene: Gab es eine, und wollten Sie damit etwas zu tun haben (mitmachen, sie ändern) oder dagegenhalten?

Ich hatte nicht viel mit der Szene zu tun. Bei Buthe war es immer lustig, da wurde immer gefeiert.

Szene: Was war Ihr Beitrag zur Szene, oder ist sie entscheidend für Ihre Chancen gewesen?

Mein Beitrag war, dass ich ab und zu anwesend war.

Wen fanden Sie damals besonders gut, wen heute?

Andy Warhol und Paul Thek – damals wie heute.

Gibt es Ihrer Meinung nach Leute, die heute zu Unrecht vergessen worden sind, oder zu Unrecht Erfolg haben, hochgejubelt worden sind?

Es gibt bestimmt Leute, die zu Unrecht vergessen worden sind. Leute, die hochgejubelt worden sind - da gibt's einige.

Jasper Johns sagt ja von sich selber, er sei überschätzt.

Das finde ich aber auch.

Nachdem es die Kölner Werkschule, spätere Fachhochschule für Kunst und Design nicht mehr gibt - bedauern Sie das, oder ist das für Sie unwichtig? Ist eine Akademie als solche für Sie notwendig, wichtig oder überflüssig?

Das finde ich sehr bedauerlich. ln meinem Beruf beispielsweise gibt es keine Ausbildung mehr. Schade um das schöne alte Werkzeug der Silberschmiedeklasse!

Ist eine Akademie als solche für Sie notwendig, wichtig oder überflüssig?

Eine Akademie wäre im Zusammenhang mit Köln als Kunststadt notwendig.

Die neue Medienakademie - ist sie eine Alternative zur alten Fachhochschule, oder sogar eine Weiterentwicklung? Entspricht sie einem gegenüber Ihrer Anfangszeit gewandelten Anforderungsmodell künstlerischer Möglichkeiten, neuen (verengten, erweiterten) Rahmenbedingungen der Kunst generell, oder einer neueren Einstellung der Öffentlichkeit Kunst gegenüber?

Sie ist meines Erachtens wichtig für die heutige Zeit.

Welchen Rat würden Sie heute einem jungen Künstler geben, den Sie für talentiert und substantiell halten, damit er konsequent seinen Weg gehen kann?

 

Plätze: Wo gingen Sie früher hin, wohin heute, warum?

Heute ist heute.

 Die Entwicklung der letzten 20 - 25 Jahre: Wie und wodurch ist Köln zur "Kunstmetropole" geworden?

Durch seine zentrale Lage und wegen seiner Museen.

Wie sehen Sie die korrelative Entwicklung anderer "Kunst-Zentren" während dieser Zeit? Welche Alternativentwicklung hat z.B. Berlin nach Ihrer Meinung genommen? Was sind die Kriterien und Effekte?

Vielleicht wird Berlin später mal wichtig.

Falls andere für Sie relevante Regionalentwicklungen bedeutsam sind, welche, warum, mit welcher Perspektive?

Das kann ich nicht beurteilen.

Unter einem solch korrelativen Aspekt: Wie sind die Charakteristika Ihrer Arbeit, Ihrer Entwicklung, Vorhaben und Resonanz im Vergleichsrahmen der überregionalen Entwicklung der letzten 20 - 25 Jahre zu sehen?

Ich hoffe schon, dass über all die Jahre, in denen ich gearbeitet habe, meine persönliche Handschrift erkennbar ist.

In diesem Zusammenhang abschließend die Bitte um Würdigung bzw. kritische Stellungnahme aus persönlicher Sicht zu Person und Arbeit verstorbener Kollegen (u.a. etwa: Michael Buthe, Manni Löhe, Al Hansen).

Michael Buthe war ein Barockfürst, der Menschen bezaubern konnte.