Rune Mields

Frau Mields, wie kam es damals dazu, dass Sie Kunst professionell gemacht haben?

Ich bin Autodidakt. Mit 14 Jahren wollte ich Künstler werden, aber das ging nicht, man konnte ja nicht studieren ohne Geld. Also musste ich in die Lehre gehen und habe dann Buchhandel, wissenschaftlichen Buchhandel in Münster gelernt. Und dann habe ich vier Kinder gekriegt. Und als nun klar war, jetzt ist Sense damit, habe ich dann systematisch wieder angefangen zu arbeiten und habe 1967 meine erste Ausstellung gemacht, in Köln, in einer kleinen Galerie, die hieß "Studio Junkersdorf". Zu dieser Zeit war ich in Aachen und habe mich dann 1970 von meiner Familie getrennt. Ich habe dann - 1969 war ich zum ersten Mal auf dem Kunstmarkt - hier ausgestellt, bei Wilbrand; Anfang 1970 hatte ich meine erste Museumsausstellung in Wuppertal. Ich bin dann für zwei Jahre nach Münster zurückgegangen. Das hat mich aber so genervt, denn da gab's keine Künstler und nichts, dass ich gesagt habe entweder gehe ich nach Düsseldorf oder nach Köln. Ich kannte damals schon relativ viele Künstler in Köln. Alle 10 Tage bin ich mindestens einmal nach Düsseldorf oder Köln gefahren, um irgendetwas zu sehen und mit Leuten zu reden, und dann dachte ich, was soll der Quatsch?! Jetzt ziehst du dahin. Das war 1972. Von 1970 an war für mich klar, dass ich nur noch Kunst mache. Und das habe ich inzwischen auch durchgehalten und lebe auch seitdem von der Kunst. Das war natürlich schwer; das war manchmal schon ziemlich beschissen.

Würden Sie heute noch einmal denselben Weg wählen?

Mit Sicherheit.

Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 20-25 Jahren verändert?

Ich finde das schwer zu beantworten, denn ich lebe immer im heute, so, wie mich bei meinen Arbeiten immer nur die im Moment entstehenden interessieren, so interessiert mich auch immer nur der momentane Zustand.

Kunst jetzt - welche Ihrer Vorstellungen sind wichtig geworden? Haben Sie als Person, mit Ihrem Werk oder beidem Einfluss auf andere nehmen können, oder war Ihnen das nicht wichtig?

Nein, Einfluss zu nehmen, war mir nie sehr wichtig; wichtig war mir immer nur die Arbeit an sich. Wenn ich hätte Einfluss nehmen wollen, dann wäre ich vielleicht auch Lehrer, bzw. Professor geworden. Man sieht natürlich schon, dass bestimmte Themenstellungen von anderen wieder aufgegriffen werden. Genauso habe ich ja auch Themen aufgegriffen aus der Renaissance beispielsweise oder aus anderen Zeiten, aber das halte ich nicht für so bedeutend, sondern das ist ein normales Vorgehen in der Kunst.

Kunst und Geschäft: Ist es heute leichter, verstanden und gekauft zu werden? Sammler, Galeristen, Öffentliche Hand: Was ist anders, besser oder schlechter geworden?

Ich habe immer mit Galerien zusammengearbeitet. Ich habe immer nur mit Galeristen zu tun gehabt, mit denen ich menschlich klarkam; das war für mich eine Grundvoraussetzung der Zusammenarbeit. Ob das Geschäft besser oder weniger gut ist, war für mich weniger wichtig als persönliche Verhältnisse. Insgesamt glaube ich nicht, dass die kulturpolitischen Verhältnisse rigider werden. Ich halte das für Gejammer. Ich glaube, dass die Verhältnisse nicht schlechter geworden sind - im Gegenteil sie sind heute besser als damals. Die Institutionen vergeben doch pausenlos irgendwelche Stipendien. Manchmal habe ich das Gefühl, dass damals die jungen Künstler nicht sofort daran gedacht haben, ob sie nun ins Museum Ludwig kommen oder nicht, ob sie ein Stipendium bekommen oder nicht, ob sie sich ein großes Atelier leisten können oder nicht. Auch von einem großen Ankauf kann man nicht 10 Jahre leben. Wenn ich einen großen Verkauf gehabt habe, bin ich zwar froh, aber ich überlege mir, wie lange ich das Geld strecken muss, bis der nächste Verkauf erfolgt. Mich hat aber am meisten die Arbeit interessiert, alles andere fand ich immer unwichtig - abgesehen davon, dass man sich schon abends sein Bier leisten können sollte.

Was die Akzeptanz anbelangt, war es damals genauso wie heute. Wenn ich an bestimmte Diskussionen im "Exil" denke - da war ich der einzige Künstler, der eine Galerie hatte weit und breit. Was Paul Maenz in Köln getan hat, war atypisch für einen Galeristen, und ich sehe auch nicht, wo das mal wieder mit Erfolg versucht worden ist. Es ist nicht das normale Galeristenverhalten, wobei ich jetzt nicht von Händlern rede. Zwirner war in diesem Sinne für mich immer ein Händler und kein Galerist. Das weiß er selber und wird mir da auch sicher nicht widersprechen. Es gibt Galeristen, die wirklich an der Arbeit des Künstlers interessiert sind, über Jahre hinweg, wie z.B. hier in Köln Jöllenbeck. Der hat das immer gemacht. Diese Galeristen legen den Künstler, wenn sie ihn nicht sofort verkaufen, nicht gleich ad acta. Auch Stünke hat seine Künstler immer sehr lange gehalten. Es gibt natürlich auch die Kehrseite der Medaille: Künstler, die in zwei Ausstellungen bei einem Galeristen nichts verkauft haben, wechseln zu einem neuen, der ihnen erfolgversprechender erscheint, und schieben den alten ad acta.

Ich mache oft Ausstellungen, wo ich selbst mitmache, Kunst in der Werkstatt, oder Kunst, selber organisiert. Das ist furchtbar; aber gut, ich mache mit. Wenn mich junge Künstler fragen, ob ich mitmache, tue ich das, weil ich es okay finde. Aber die einzige vernünftige Vermittlungsform, die wir heute haben, sind nach wie vor Galerien. Alle Arbeiten, wenn sie eine vernünftige Verbreitungsform überhaupt noch finden sollen, werden immer noch über Galerien gezeigt. Museen gehen doch nicht in irgendwelche Ateliers zu jungen Künstlern. Das machen sie vielleicht, wenn sie viel Geld kriegen für eine Ausstellung "Kunst unter zwanzig", aber sonst doch nicht. Wo soll die Kunst denn gesehen werden außer in Galerien?!

Möchten Sie kunstkommerziell heute etwas ganz anders haben? Was müsste man Ihrer Auffassung nach tun?

Einer, der im Gespräch ist für einen Ankauf z.B. von Museumsseite - was soll er machen? Er wartet darauf, dass die sich entscheiden oder nicht entscheiden.

Gegen unliebsame Spekulationen kann man als Künstler etwas tun: die Preise nicht zu hoch ansetzen. Wenn die Preise nicht zu hoch sind, lohnt es sich nicht, damit zu spekulieren. Ich kenne viele Kollegen, die messen ihre Preise an den Preisen von anderen, nach dem Motto: Wenn das Bild von dem soundsoviel kostet, dann muss mein Bild soundsoviel kosten. Was hat die Arbeit von Kollegen mit meiner Arbeit zu tun? Wenn der seine Preise so macht, ist das sein Bier. Wenn man dann in die Spekulation kommt, wird man gefragt: "Hast du was verkauft?" "Ja, eine große Arbeit in eine sehr gute Sammlung." Die gute Sammlung stellt sich dann so heraus, dass der Sammler nach 14 Tagen das Bild für 10 000,- DM mehr in der FAZ. wieder anbietet. Da darf man sich dann nicht wundern und aufregen. Aber wenn sich das nicht lohnt, dann machen sie das auch nicht.

Mein Marketing-Konzept, wenn man so will, war früher folgendes: Ich bin immer auf Eröffnungen gegangen. Wenn mich dann einer gefragt hat, was ich denn eigentlich mache, habe ich Fotos aus der Tasche gezogen und gesagt: Das mache ich. Die Reaktionen waren unterschiedlich: Oh, das ist aber nicht uninteressant - oder man rümpfte die Nase. Und dadurch haben sich Kontakte ergeben. Ich war ja nie auf einer Akademie und hatte demzufolge auch keine Kollegen oder Lehrer - ich kannte ja niemanden.

Köln - für Sie ein notwendiger oder ein beliebiger Platz? Gibt es Köln bezogene Wichtigkeiten für Sie heute noch, oder könnten Sie sich heute eine bessere, fruchtbarere Umgebung vorstellen?

Ich liebe Köln und einfach das Klima von Köln. Das ist auch der Grund, warum ich hier bin, und warum ich ich auch hier nie weggehen werde. Es gibt einen ganz bestimmten Aspekt, der Köln von anderen Städten unterscheidet: Es ist leicht schmuddelig. Abgesehen vom Klüngel gibt es keine klassischen Hierarchien, was man schon an der Stadt als Baukörper sieht. Es gibt keine großen Plätze, nur Märkte: Heumarkt, Neumarkt, Alter Markt - damit ist aber auch Sense. Es gibt eigentlich nur zwei Sachen, die immer bestimmend waren, wobei es immer, wenn es hierarchisch wurde, Zoff gegeben hat: einmal gab es hier den merkantilen Aspekt, zum zweiten den Aspekt des Kirchlichen. Köln war nie - so groß es auch immer ist - eine richtige Großstadt, wie andere Städte, mit prächtigen Straßen oder prächtigen Schlössern, war keine Residenz. Und dann gibt es einen Aspekt, den ich sehr wichtig finde: das Alter der Stadt Köln: das Römisch-Germanische Museum, der Dom, diese ganz alten Klamotten. Es wird ständig wieder drauf gebaut, und das einzelne spielt in dem Sinne keine Rolle. Es ist nicht so, dass man denken muss, also du bist hier was. Alles, was du hier tun kannst, ist, deinen eigenen Kram zu machen für deine Zeit. Aber wichtig war in Köln noch nie etwas, es sei denn, man macht es für den Moment wichtig. Aber diese Geschichtsträchtigkeit zwingt einen natürlich einerseits dazu, sich selber ein bisschen zu produzieren, um sich überhaupt dagegen zu behaupten, andererseits bringt sie einen immer sehr stark realistisch wieder auf den Boden der Tatsachen. Das heißt, die Stadt hat einen sehr starken Realismus, der sich dann eben auch auf die Auseinandersetzung mit Kunst auswirkt. Kunst wird auch auf eine bestimmte Weise nicht so richtig ernst genommen. Die Bestätigung von außen ist nicht besonders groß, und ich glaube, dass das für die Kunst sehr gut ist, erstens, weil sie in Ruhe gelassen wird, und zweitens, weil man darüber nachdenken muss, ob das nun was ist oder nicht. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die Größe der Stadt eine wichtige Rolle spielt. Sie ist ja groß - die viertgrößte Stadt Deutschlands - , und jedes Quartier hat natürlich seinen eigenen Charakter und seine eigene Definition. Und man kann, wenn man will, einfach aufgrund der Größe der Stadt, jemanden finden, mit dem man klarkommt, mit dem man sich austauschen kann etc. .

Köln - Provinz, Weltstadt, Sprungbrett, Hindernis? Wäre für Sie eventuell etwas anders gelaufen, wenn Sie nicht in Köln gearbeitet hätten?

Ehrlich gesagt, könnte ich mir in Deutschland keine Stadt vorstellen, in der ich lieber wohnen würde. Auf eine Art war und ist Köln Weltstadt. Es hat auf der anderen Seite immer ein Auseinanderstreben der verschiedenen Kräfte und Gewichte gegeben, ein Sich-Bekämpfen auf eine bestimmte Weise, auch aus Vernunftgründen; das hat natürlich etwas mit dem merkantilen Prinzip zu tun: lieber Klüngel als Horror. Das ist ein vernünftiger Standpunkt.

Die Kölner haben außerdem natürlich eins, was sie sehr sympathisch macht: sie haben ein natürliches Verhältnis zum Understatement. Wenn die Kölner sagen "mir sin Wellltstadt", dann hört man am Ton schon, dass sie sich darüber lustig machen.

Öffentlichkeit, Gesellschaft, Stadt Köln - Haben Sie bei der Realisierung Ihrer Ideen Unterstützung gefunden, auch materielle?

Hackenberg hat sehr viel für das Klima getan, und zwar einfach dadurch, dass er den Handel unterstützt hat, und auch dadurch, dass er zum Teil gekauft hat. 1971, als ich zur Eröffnung auf den Kunstmarkt kam - Wilbrand hatte drei relativ große Arbeiten, 1,50 x 2m, von mir ausgestellt - hat Hackenberg eine davon gekauft. Ich hatte gehört, dass er sehr offen war, aber ich habe nie mit ihm geredet. Von mir aus habe ich nie jemanden angesprochen, weder Hackenberg noch irgend jemand anderen, weil ich immer der Meinung war, dass ich nirgendwo hingehe und die Hand aufhalte. Ich habe mir meine Wohnung und mein Atelier gesucht und gearbeitet.

Gab es damals etwas Wichtiges, was Sie konkret nicht realisieren konnten?

Arbeitsmäßig nicht, das mache ich ja. Was Ausstellungen anbelangt – da gibt es eine, die ich seit 10 Jahren machen möchte. Irgendwann möchte ich diese mal realisieren, aber man braucht halt viel Platz dafür, ungefähr 45 Meter Wand. Und ich habe da jetzt ein Leporello gemacht, und jemand mit einer Lagerhalle, einem runden Raum, gesagt, für ihn hätte ich was, und außerdem einem Galeristen von mir was gesagt. Er will jetzt versuchen, das zu realisieren. Das ist im Prinzip eine flächige Sache.

Gibt es etwas, was Sie heute sofort tun würden, wenn Sie ohne Limit die Möglichkeit dazu geboten bekämen?

Das weiß ich nicht so genau. Ich warte immer darauf, dass jemand auf mich zugeht, und das passiert auch. Wenn jemand sagt, das musst du aber machen, dann mache ich das vielleicht. Von mir aus bin ich da vielleicht ein bisschen langsam.

Szene: Gab es eine, und wollten Sie damit etwas zu tun haben (mitmachen, sie ändern) oder dagegenhalten?

Bevor ich hierher kam, kannte ich schon Michael Buthe und hatte außerdem 1969 eine Ausstellung mit ihm und Lüpertz zusammen, aber das war eine Vierer-Ausstellung in Aachen. Ich wollte etwas mit Kollegen zu tun haben, und das hatte ich auch. Man ging zu bestimmten Eröffnungen, traf sich da, redete miteinander und ging danach auch mal ein Bier trinken. Die Galeriehaus-Ausstellungen waren in dem Zusammenhang sehr wichtig. Ab und zu machte man auch zusammen eine kleine Ausstellung, und wenn ein Kollege irgendwo eine Ausstellung machte, ging man dahin, was natürlich heute fast nicht mehr passiert. Aber damals gab es erstens nicht so viele Galerien und zweitens auch nicht so viele Ausstellungen. Die Szenerie hat sich in den 70er Jahren, im Grunde mit dem Galeriehaus entwickelt, das kumulierte da. Sie haben ja dann auch diese Zeitung gemacht, in der alle Eröffnungen, die am gleichen Tag stattfanden, publiziert waren. Unten gab's die Suppe, in der Mitte gab's den Nachtisch - oder umgekehrt.

Im "Roxy" traf sich die Szene, bevor in allen Zeitungen stand, dass die Szene sich im "Roxy" trifft. Das war ja der Tod des "Roxy", da hielt man es nicht mehr aus. Die Idioten kamen samstags ins "Roxy", um die Szene zu sehen - das war dann sozusagen die Endzeit des "Roxy". Das war die Zeit, als z.B. Rückriem oder Polke oder Alf Schuler, aber besonders auch Düsseldorfer Künstler nach Köln zogen und sagten: Bei euch ist es ja toll, ist ja nicht zu fassen. Ihr steht ja alle zusammen, ihr redet, es gibt überhaupt keine Probleme. ln Düsseldorf ist das ganz anders, da redet keiner mit dir, und man trifft sich schon gar nicht. Ich habe damals gesagt, da braucht ihr bloß warten. Wenn noch ein paar Künstler hierhin kommen, dann zerfällt das natürlich auch in Gruppierungen. Aber solange jeder sozusagen jeder seine eigene Gruppe war, war das in Ordnung. Also: Klauke war eine Gruppe, Mields war eine Gruppe, Buthe war eine Gruppe, Paeffgen war eine Gruppe - es gab ja keine Gruppe, die ähnlich arbeitete, wir waren ja einfach lauter heterogene Leute, die ihre Sachen machten. Wenn nur zwei etwas Ähnliches machten, dann gab das schon wieder eine Extragruppe.

Gab es untereinander Konkurrenz?

Nein, um das mal zeitlich abzugrenzen zwischen 73 und 78 gab's die eigentlich nicht. Und 78 war es dann auch schon so, dass im Grunde alle Leute ihre Galerien hatten, nicht nur in Köln, sondern sie fingen an, auch woanders ihre Galerien zu haben. Aber sie hatten eben ihre Galerien auch in Köln, was sie zu Anfang eben alle nicht hatten.

Die Galeristen, die es damals in Köln gab, wollten zum größten Teil mit Kölner Künstlern nichts zu tun haben. Onnasch hat mal eine Ausstellung mit Paeffgen gemacht. lngrid Oppenheim war eigentlich die einzige, die eine Reihe von uns ausgestellt hat.

Szene: Was war Ihr Beitrag zur Szene, oder ist sie entscheidend für Ihre Chancen gewesen?

Zuerst war ich immer eine Aachener Künstlerin; als ich 70 nach Münster gezogen bin, war ich eine Münsteraner Künstlerin. Das war natürlich besonders schlecht, weil ich in Münster geboren war. Aber innerhalb kürzester Zeit - es hat höchstens anderthalb Jahre gedauert - war ich eine Kölner Künstlerin. Und ehrlich gesagt bin ich auch lieber eine Kölner Künstlerin als eine deutsche Künstlerin.

Wenn ich einmal kühl zurückblicke, würde ich sagen, dass ich schon ein bestimmter Bestandteil war, im besonderen auch ganz sicher deswegen, weil ich fast die einzige Frau war. Die anderen waren ja alle noch viel jünger, wie beispielsweise Astrid Klein. Es hat ja zwei oder drei Jahre gedauert, bevor man da die ersten kleinen Zeichnungen zu sehen bekam. Sie waren ja alle noch Youngster und redeten immer davon, was sie alles machen würden. Wir haben dann so kleine gemeinsame Ausstellungen gemacht. Dadurch, dass man miteinander ins Gespräch kommt, diskutiert, und dadurch, dass man auch selber was hört, was die eigene Arbeit betrifft, wird einem ja auch selber was klar. Oder wenn andere da rummäkeln, hat das ja auch immer eine Auswirkung. Jeder produzierte sich, aber man war nicht nur Zuschauer, sondern auch Kritiker. Eine Selbstdarstellung traf auf die andere, wurde gesehen, kritisiert, aber gleichzeitig auch minimiert dadurch, dass der andere auch ein guter Selbstdarsteller war. Das war wie ein Theaterstück.

Die Szenebildung hatte aber meiner Meinung nach auch damit zu tun, dass die Leute sich sehr stark vereinzelt fühlten und das Bedürfnis hatten, miteinander zu reden und ein Bier zu trinken.

Wen fanden Sie damals besonders gut, wen heute?

Jemand, dessen Arbeiten ich immer spannend fand, den schätze ich heute noch: C.O. Paeffgen. Astrid Klein hat sich künstlerisch gegenüber damals sehr positiv entwickelt. Bei fast allen übrigen muss ich mehr oder weniger Vorbehalte anmelden. 20 Jahre sind nicht besonders viel, aber wenn man nur größer, aber nicht besser wird, wenn man bemerkt, dass die eigene Bewertung das Gemachte übersteigt - deswegen habe ich ja auch meine Vorbehalte gegen den Künstler als Darsteller des Künstlers. Das sind alles Energieprobleme: Wenn ich meine Energie verschleiße, um mich als Künstler darzustellen, dann geht diese Energie der Arbeit verloren.

Gibt es Ihrer Meinung nach Leute, die heute zu Unrecht vergessen worden sind, oder zu Unrecht Erfolg haben, hochgejubelt worden sind?

Es gibt eine ganze Reihe Leute, die mich enttäuscht haben, wo ich einen guten Ansatz sah. Es gibt einen bestimmten Aspekt: Jedes Bild ist ja im Grunde nur ein Versprechen. Wenn die Leute, denen ein Bild gelungen ist, meinen, das wäre es schon, dann ist das irgendwo ganz traurig, wenn man merkt, dass es eigentlich nicht weitergeht, und dass sich die Intentionen auf Dauer nicht halten.

Nachdem es die Kölner Werkschule, spätere Fachhochschule für Kunst und Design nicht mehr gibt - bedauern Sie das, oder ist das für Sie unwichtig? Ist eine Akademie als solche für Sie notwendig, wichtig oder überflüssig?

Ich halte nichts von Akademien und habe es auch immer abgelehnt, Professor zu werden. Es gibt keine Akademie in Deutschland, die mich nicht schon gefragt hätte, ob ich nicht Professor sein wollte. Ich habe einmal eine Gastprofessur an der Hochschule für bildende Künste in Berlin angenommen aus reiner Neugier, wie das wohl so ist. Ich hätte das zwei Semester machen können, aber ein Semester hat mir so gereicht, dass ich auf das Geld lieber verzichtet habe. Ich hatte keine Lust mehr. Von den 12 Studenten, die da waren, hätte ich 10 sofort wegen Unfähigkeit rausgeschmissen. Sie haben die Eignung nicht besessen, sondern wollten den Status, oder fanden das interessant, oder vielleicht war es eine Übergangszeit, oder die Eltern haben es ihnen eingeredet, oder sie haben als Schüler ein bisschen gezeichnet und gemeint, damit wird man Künstler. Aber das ist natürlich Quatsch.

Die neue Medienakademie - ist sie eine Alternative zur alten Fachhochschule, oder sogar eine Weiterentwicklung?Entspricht sie einem gegenüber Ihrer Anfangszeit gewandelten Anforderungsmodell künstlerischer Möglichkeiten, neuen (verengten, erweiterten) Rahmenbedingen der Kunst generell, oder einer neueren Einstellung der Öffentlichkeit Kunst gegenüber?

Ich hoffe, dass es eine Weiterentwicklung ist. Ich kann aber wenig darüber aussagen, weil ich sie im Prinzip nicht kenne. Dazu kommt noch, dass ich mit bestimmten Medien fast überhaupt nicht arbeite, und deshalb mein Interesse an dieser Medienhochschule auch nicht so besonders groß ist.

Welchen Rat würden Sie heute einem jungen Künstler geben, den Sie für talentiert und substantiell halten, damit er konsequent seinen Weg gehen kann?

Sollte das verbalisiert werden, würde ich jemanden immer nur sagen: arbeiten, arbeiten, arbeiten!

Sollte es nicht verbalisiert werden, und die Arbeit interessiert mich, dann kaufe ich unter Umständen eine kleine Arbeit - ganz einfach!

Plätze: Wo gingen Sie früher hin, wohin heute, warum?

Heute gehe ich ab und zu mit C.O. Paeffgen essen oder mit jungen Künstlern einen trinken. Es gibt nicht mehr die Treffpunkte. Das hat etwas damit zu tun, dass man damals arm war, da musste man einen trinken gehen, und heute geht man essen. Das "Hammerstein" fand ich nicht so toll, das war mir auch immer zu öffentlich. Ab und zu bin ich mal ins "Trampolin" gegangen, wo auch ab und zu einer vorbeikam. Manchmal gehe ich, wenn ich woher komme, ins "Central", weil es bis drei Uhr geöffnet ist. Aber ich gehe auch nicht mehr so regelmäßig aus. Früher bin ich grundsätzlich jeden Sonntag ins "Roxy" gegangen zu einer bestimmten Zeit, meistens so um Mitternacht. Es mag andere Kneipen heute geben, die angesagt sind, aber das "Roxy" war ja nicht angesagt. Als es angesagt war, war es auch vorbei.

Die Entwicklung der letzten 20 - 25 Jahre: Wie und wodurch ist Köln zur "Kunstmetropole" geworden?

Erst einmal durch einen sehr guten Kulturdezernenten, den wir seinerzeit hatten, und der sich für bildende Kunst wirklich sehr interessiert hat, Kurt Hackenberg, und der dann eben bestimmte Ideen, die eigentlich mehr aus dem händlerischen Bereich kamen, aufgegriffen hat, was natürlich dazu führte, dass auch wiederum Künstler nach Köln zogen. Ich glaube, dass das sehr stark von dem alten kölnischen Charakter der Handelsmetropole ausgegangen oder intendiert ist. Ich glaube, dass das alles ohne Hackenberg nicht passiert wäre. Wir haben ja die letzten zwei Jahrzehnte im Prinzip auch darunter gelitten, dass wir zwei Kulturdezernenten hatten, die sich nicht so intensiv für bildende Kunst interessiert haben. Hackenberg hat die Ideen der Galeristen aufgenommen: Kunstmesse und alles, was damit zusammenhängt. Auch seine Auseinandersetzung mit dem Museum Ludwig - das waren ja alles Initialzündungen.

Wie sehen Sie die korrelative Entwicklung anderer "Kunst-Zentren" während dieser Zeit? Welche Alternativentwicklung hat z.B. Berlin nach Ihrer Meinung genommen? Was sind die Kriterien und Effekte?

Berlin muss ja erst mal kommen. Vorläufig ist da ja noch nichts. Berlin ist so'n Wölkchen am Horizont. Also brauch man darüber vorläufig auch nicht reden.

Relevante korrelative Entwicklungen anderer Kunst-Zentren sehe ich nicht.

ln diesem Zusammenhang abschließend die Bitte um Würdigung bzw. kritische Stellungnahme aus persönlicher Sicht zu Person und Arbeit verstorbener Kollegen (u.a. etwa: Michael Buthe, Manni Löhe, Al Hansen).

Manni Löhe und Al Hansen kannte ich zu wenig. Michael Buthe habe ich ja nun sehr gut gekannt, und wir waren ja auch befreundet. Ich habe seine Arbeiten immer sehr geschätzt, ich fand die toll. Ganz im Gegensatz zu mir fand ich seine Farbigkeit sehr schön und interessant. Auch - soweit man bei Michael überhaupt darüber reden kann - seine minimalistischen Tendenzen, die er zwischendurch mal gehabt hat, fand ich ebenfalls einen interessanten Ansatz. Und es tut mir richtig leid, dass er nicht mehr da ist. Michael war sehr kommunikativ und offen gegenüber Menschen. Er hat sich nie negativ oder destruktiv anderen gegenüber verhalten. Ich weiß, dass sehr viele junge Künstler von ihm Ermutigung bekommen haben und er mit Sicherheit für sie sehr wichtig war.