26. April bis 27. September 2019

Klaus Honnef

Von der Konzeptkunst zur Fotografie

10.04. – 14.04.2019 auf der ART COLOGNE, Halle 11.1, C 010
26.04. – 27.09.2019 im ZADIK

Klaus Honnef im Rheinischen Landesmuseum Bonn, 1987. Foto: Hermann Lilienthal

Spätestens seit 1965, als ihn die Aachener Nachrichten als einen von Deutschlands jüngsten Feuilleton-Chefs anstellten, hat Klaus Honnef (* 14.10.1939) Kunstgeschichte geschrieben. Für das 1968 von ihm mitbegründete und geleitete Gegenverkehr – Zentrum für aktuelle Kunst in Aachen ersann er ein multimediales Konzept – eine Premiere für eine künstlerische Institution in der Bundesrepublik. Gerhard Richter (1969) und Lawrence Weiner (1970) gab er dort deren erste Einzelausstellungen jenseits der kommerziellen Galerienszene. Mit Umwelt-Akzente – Die Expansion der Kunst, Monschau 1970, schuf er den Prototyp für Ausstellungen im (städtischen) Außenraum.

1970 wurde Klaus Honnef Geschäftsführer des Westfälischen Kunstvereins in Münster, wo er Reiner Ruthenbeck (1971), Douglas Huebler (1972), Sigmar Polke und Jörg Immendorff (1973) sowie Christian Boltanski (1974) zu ihren Ausstellungspremieren in einer öffentlichen Ausstellungsinstitution und Hanne Darboven (1971) mit 4.500 qm zur fIächenmäßig größten Schau ihrer Karriere verhalf. Seine Verkehrskultur (1972) thematisierte erstmals die kulturellen Auswirkungen des Autos in einer Ausstellung. Mit 50 Arbeiten, konzentriert auf einem einzigen Plakat, präsentierte Honnef 1973 die erste Retrospektive Lawrence Weiners.

Zur documenta 5 (1972) berief ihn Harald Szeemann – gemeinsam mit Konrad Fischer – zum Kurator für die Sektion „Idee + Idee/Licht“. Seit 1973 ist Gabriele Honnef-Harling an seiner Seite und arbeitet mit ihm zusammen – am Küchentisch, bei Museums-, Galerie- und Ausstellungsbesuchen. So entstand auch das multimediale Konzept für die umstrittene documenta 6 (1977), für die Honnef zusammen mit Evelyn Weiss und Honnef-Harling die beiden Abteilungen „Malerei“ und „Fotografie“ betreute und die Fotografie erstmals als eigenständiges künstlerisches Ausdrucksmittel vorstellte, eine Erkenntnis, die er bei der Arbeit an der ersten Retrospektive von Bernd und Hilla Becher gewonnen hatte, 1975 am Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Schon 1974 war Honnef nach Bonn gewechselt, wo er zahlreiche wegweisende Ausstellungen kuratierte, wie die ersten Museumsausstellungen für Jürgen Klauke, Anna und Bernhard Johannes Blume, F. C. Gundlach, Rosemarie Trockel, Isa Genzken, Candida Höfer und Walter Dahn, die ersten Ausstellungen in einem deutschen Museum für Gisèle Freund, Alfred Eisenstaedt und Helmut Newton. Zu seinen wichtigsten thematischen Expositionen zählen In Deutschland (1979), Lichtbildnisse – Das Porträt in der Fotografle (1982), Pantheon der Photographie im 20. Jahrhundert (in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, 1992), Deutsche Fotografle – Macht eines Mediums (in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, 1997) und Und sie haben Deutschland verlassen … müssen (1997). Auch für andere Institutionen, wie das Deutsche Historische Museum und den Gropius-Bau in Berlin, realisierte er Ausstellungen. Seine zusammen mit Peter Pachnicke erarbeitete Retrospektive John Heartfields (Akademie der Künste, Berlin, 1991) wanderte nach Bonn, New York und San Francisco.

Honnef prägte die Begriffe „Autorenfotografie“, „Analytische Malerei“ und „Inszenierte Fotografie“, und viele künstlerische Erscheinungsformen, die erst später – manche erst in jüngster Zeit – ihre kanonischen Bezeichnungen erhielten, erfuhren bei ihm ihre erste Würdigung. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter das erste Buch über Concept Art (1971) sowie Kunst der Gegenwart (1988) und Andy Warhol (1989), zwei Weltbestseller, die in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden, außerdem unzählige Artikel in Fachzeitschriften, Tages- und Wochenzeitungen. Unter seinen Ehrungen ragen heraus seine Honorarprofessur an der Kunsthochschule Kassel, seine Ernennung zum „Chevalier de l’ordre des arts et des lettres“ durch die Republik Frankreich und der Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Am 14. Oktober dieses Jahres wird Klaus Honnef 80 Jahre alt und kann auf eine Lebensleistung zurückblicken, die von Premieren und Superlativen geprägt ist. Eher aber wird er diesen Tag schreibend verbringen, wie wahrscheinlich die meisten Tage des Jahres – denn wie sonst könnte man sich ein solches Ausmaß an publizistischer Produktivität erklären, wie sie allein schon die Webseite www.klaushonnef.de dokumentiert? Auch wenn man Gabriele Honnef-Harling mit einkalkuliert, die ihm bei allen Projekten zu Seite steht (beziehungsweise sitzt, weil eben auch meist schreibend), reicht es immer noch für mehr als zwei. Auf jeden Fall aber ist es einfach viel zu viel, um der gesamten Lebensleistung dieser beiden Persönlichkeiten, die uns im Jahr 2012 den größten Teil ihres ebenso umfangreichen wie wertvollen Archivs übergeben haben, in einer Publikation wie unserem sediment gerecht zu werden. Wir können nur das tun, was wir immer tun: einen Impuls geben für eine weitere und tiefere Erforschung, indem wir exemplarisch wichtige Dokumente aus entscheidenden Kontexten präsentieren und damit einen Eindruck vom Quellenpotenzial des Bestandes geben. Mit unseren einleitenden Texten und den Interviews mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, deren Audio-Aufzeichnungen wir ebenfalls archivieren, versuchen wir, die Dokumente wieder mit ihren ursprünglichen Kontexten zu verknüpfen, so dass ein sehr lebendiger und authentischer, aber nur punktueller Rückblick entsteht.

Das Archiv Klaus Honnef und Gabriele Honnef-Harling mit der ZADIK-Bestandsnummer G 21 ist das Privatarchiv der beiden Bestandsbildner. Die offiziellen Dokumente, die in den verschiedenen Dienststellen der öffentlichen Institutionen entstanden sind, in denen Klaus Honnef gearbeitet hat, sind dort verblieben und zum Teil inzwischen in die Archive der kommunalen und regionalen Trägerinstitutionen eingegangen. Die Erschließung und Teildigitalisierung des Privatarchivs im ZADIK ist weit fortgeschritten, aber noch in vollem Gange. Auch sind wir bei den Recherchen für diese Publikation auf zahlreiche Gegenüberlieferungen in anderen Archiven gestoßen, von denen wir viele als digitale Kopien erhalten konnten. Und auch die Bestandsbildner finden immer noch alte Dokumente, und sie produzieren selbst und erhalten auch ständig weitere neue. Es wird noch etwas dauern, bis wir mit dem Bestand online gehen können, aber das heißt nicht, dass nicht schon geforscht werden könnte – im Gegenteil: Es waren schon viele Forscherinnen und Forscher bei uns und konnten das Archiv nutzen. Alle, die sich bisher mit dem Bestand beschäftigten, haben sein Potenzial erkennen können und sind gespannt auf seine weitere Untersuchung. Unsere bisherigen Erfahrungen lassen eine dynamische Entwicklung erwarten. Wir laden auch Sie ein, bei uns zu forschen, und werden Sie nach Kräften dabei unterstützen.