Walter de Marias erster Earth Room in der Galerie Heiner Friedrich, München, 1968

Brigitte Jacobs van Renswou

Wie für Malerarbeiten mit Plastikfolie ausgelegt, gestalteten sich die leeren Räume der Galerie Heiner Friedrich in München an einem Septembertag im Jahr 1968. Ein anderes Vorhaben verraten jedoch die ca. 1 Meter an der Wand hochgezogene Folie und die im Vordergrund aufgereihten sieben Torfballen, auf denen ein Mann steht, der aus dem Fenster blickt. Es handelt sich um den amerikanischen Künstler Walter de Maria, der scheinbar der Anlieferung weiterer Erdballen auf der Straße entgegenblickt. Im Türrahmen rechts stehen der Galerist Heiner Friedrich und ein Besucher, die das Geschehen beobachten. Das Foto stammt aus einer Fotoserie des Galerie-Nachlasses Heiner Friedrich im Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels und zeigt den Ausstellungsaufbau des ersten „Earth Rooms“ von Walter de Maria: Die Galerieräume wurden mit 50 Kubikmeter Erde, 60 cm hoch, gefüllt, die an der Tür zum Korridor durch eine Glasplatte zurückgehalten wurde – im Raum entstand eine vom Besucher nicht begehbare, ebenmäßige Erdfläche.

Mit seinen Eingriffen in die Natur und deren Wechselwirkung mit dem Raum zählt Walter de Maria neben Michael Heizer und Richard Long zu einem der führenden Vertreter der amerikanischen Land-Art. Seine skulpturalen Untersuchungen zur universellen Wirksamkeit der Form machten ihn auch zum Mitbegründer der Minimal- und Conceptual Art. De Maria bezeichnete seine Installation als „reinen Dreck, reine Erde, reines Land“, als „Minimal Conceptual Earth Sculpture“. Das Material „Erde“ wird aus dem ursprünglichen Zusammenhang in einen neuen Kontext versetzt, es entsteht ein konzeptueller Akt. Neben dem visuellen Eindruck wollte der Künstler die Arbeit als gedanklichen Anstoß verstanden sehen: „The dirt (or earth) is there not only to be seen but to be thought about.”

Indem Walter de Maria den Betrachter zur mentalen Beteiligung auffordert und die Galerie in einen vorübergehenden Zustand versetzt, entzieht er das Kunstwerk auf den ersten Blick dem Kunstmarkt und seiner Kommerzialisierung – Überlegungen die gerade durch die Conceptual Art Verbreitung fanden. Die Galerie wird zum Bestandteil des Kunstwerks und verliert ihre rein ökonomische Funktion als Verkaufsinstrument. Doch auch Heiner Friedrich schien es nicht in erster Linie um den Verkauf der Installation zu gehen, wie er einem Journalisten berichtete: „Besucher sehen sie mit Freude…und fühlen sich gelöst, da nicht zum Kauf genötigt wird.“ Natürlich wurde die Installation dennoch zum Verkauf angeboten: für immerhin 28.000 DM. An das nicht risikolose Unternehmen zu dieser Ausstellung erinnert sich seine Frau Six Friedrich in einem Interview mit Stella Baum: „Heiner stand morgens um 6 Uhr auf und rannte durch die Wohnung: Wie sollte er das finanzieren? Aber er war stur, er setzte alles durch. Ich hatte kein Haushaltsgeld mehr und rief meine Mutter an um Hilfe. Aber wir haben ausgehalten, wir waren 25 Jahre alt und unbekümmert.“ Und weiter: die Installation „brachte uns weltweit Publicity, die Herstellung kostete uns aber auch 10.000 Mark!“ Über mehrere Jahre wurde der „Earth Room“ Sammlern und Ausstellungshäusern erfolglos angeboten, seit 1981 ist er als Dauerausstellung in der von Heiner Friedrich mitbegründeten Dia Art Foundation in New York zu sehen.