A 003, Galerie Stangl, München

Porträt der Galerie Stangl

Die "Moderne Galerie Otto Stangl" wurde 1947 in München gegründet von Otto Stangl, dem Sohn eines Münchener Bildhauers und seiner Frau Etta. Am 11. Februar 1948 eröffnete das Ehepaar Stangl die Galerie in der Martiusstraße 7, in München-Schwabing mit einer Ausstellung der Arbeiten von Alexej von Jawlensky.

Den Grundstock der Galerie bildete die Sammlung Rudolf Ibachs, eines bedeutenden Kunstsammlers und Mäzens, des Vaters von Etta Stangl. Sie erbte Teile dieser Sammlung, die Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Ludwig Meidner, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff umfasste. Die Galerie wurde nach dem Krieg zum Treffpunkt und zur Keimzelle der zeitgenössischen Kunstszene, denn es trafen sich dort neben Künstlern auch Kunsthistoriker und Kunstkritiker, wie Ludwig Grote, John Anthony Thwaites und Franz Roh.

In den ersten Jahren vertraten die beiden Galeristen die Kunst der klassischen Moderne (vor 1933) und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitierung, der während des Dritten Reiches als "entartet" diffamierten Kunst. Das spätere Programm der Galerie kreiste bis zum Anfang der 60er Jahre um das tragende Leitmotiv der Abstraktion, mit vertretenen Künstlern wie zum Beispiel Fischli, Lohse, Bill, Vertretern des französischen Informel und moderner Skulptur. In den Jahren 1948-1962 zeigte die Galerie zahlreiche Ausstellungen mit Werken von Klee, Kandinsky, Hartung, Marc, Schlemmmer, Feiniger, Munch, Miró, Münter, Wols, Matisse, und den Künstlern der Gruppe ZEN 49 (Winter, Cavael, Geiger, etc.).

Im Jahr 1953 eröffneten die Stangls eine Dependance ihrer Galerie, das "Kunstkabinett Otto Stangl" in der Galeriestraße 2 in München, welches hauptsächlich von Etta Stangl betreut wurde und bis 1972 bestand. 1962 zog die Galerie aus der Martiusstraße in den sogenannten Luitpoldblock, in die Briennerstraße 11. Bei dieser Gelegenheit wurde der Galeriename geändert, indem das Adjektiv "modern" gestrichen wurde und nun schlicht "Galerie Otto Stangl" hieß. Am 7. April 1962 wurden die neuen Räume mit der Ausstellung "Vor 50 Jahren - Neue Künstlervereinigung - Der Blaue Reiter" eröffnet.

In den folgenden 13 Jahren waren in dieser Galerie Ausstellungen unter anderen mit Werken von Pablo Picasso, Alexander Archipenko, Julius Bissier, Hann Trier, Niki de Saint Phalle, Rainer Küchenmeister, Horst Antes, Alf Lechner und Henry Moore zu sehen.

Im Jahr 1975, nachdem Otto Stangl einen Hörsturz erlitten hatte, beendete das Galeristenpaar seine offizielle Galeriearbeit im Juli, mit einer Ausstellung mit Werken von Hans Hartung und Alexander Calder. Der Handel mit Kunst wurde allerdings in einem kleinen, ebenfalls im Luitpoldblock gelegenen Büro weiter betrieben. Außerdem arbeiteten beide bis zu ihrem Tode 1990 an der Entstehung und Gründung des Franz Marc Museums in Kochel, das am 4. Juli 1986 eröffnet wurde. Mit dem Handel von Werken der klassischen Moderne verhalfen sie deren Rehabilitierung im Nachkriegsdeutschland und schafften damit gleichzeitig die unverzichtbare Vorraussetzung für jeden offenen Dialog mit den, ebenfalls von ihnen vertretenen zeitgenössischen Avantgarden (seit 1945).

Adressen:
1948 München-Schwabing, Martiusstraße 7
1953 München, Galeriestraße 2
1962 München, Briennerstraße 11

 

Galerie Stangl, Aussenansicht; Lechner-Ausstellung am 25. Mai 1971 © Foto: Rosmarie Nohr, München