28. April bis 1. August 2014

Kasper König - The Formative Years

09.04. – 13.04.2014 auf der ART COLOGNE, Halle 11.2, Stand E 40

28.04. – 01.08.2014 im ZADIK, Im Mediapark 7, 50670 Köln

Kasper König mit Werken von A.R. Penck, Ende der 1960er Jahre

Im August 2012 übergab Kasper König dem ZADIK sein wertvolles Privatarchiv und damit einen einzigartigen Quellenfundus eines der wichtigsten Protagonisten der internationalen Kunstentwicklung seit den 1960er Jahren. Die Sonderschau auf der ART COLOGNE gewährt der Öffentlichkeit nun einen ersten Einblick in die Archivalien, die auf fünfzig Regalmetern des ZADIK lagern. Aus der Fülle des Bestandes lässt eine konzentrierte Auslese an Bild- und Textdokumenten der Jahre 1962 bis 1979 anschaulich nachvollziehen, über welche Stationen Kasper König zu der Persönlichkeit wurde, als die man ihn heute kennt.

Bereits im Alter von 19 Jahren begann Rudolf König, sein Terrain in der Kunstwelt zu erobern und seine bis heute sichtbaren Spuren zu hinterlassen. Schon damals war er beeindruckend und respektiert, wie seine frühesten erhaltenen Korrespondenzen mit selbst erst aufstrebenden Persönlichkeiten in der Kunstszene belegen, wie Gerhard Richter oder Claes Oldenburg, deren Karrieren er über fünf Jahrzehnte begleitete - oder auch längst etablierten - wie Albert Schulze Vellinghausen, dem damaligen Nestor der Kunstkritik bei der FAZ, mit dem er auf Augenhöhe seine Gedanken zur aktuellen Kunstentwicklung austauschte.

Nach einem kurzen Volontariat in der Galerie von Rudolf Zwirner in Köln zog König 1963 nach London und legte sich den neuen Vornamen 'Kasper' zu. Er jobbte in den Galerien von Annely Juda und Robert Frazer und als eine Art Scout und Agent in seinem bereits weitverzweigten Beziehungsnetz von Künstlern, Sammlern, Galeristen, Publizisten, Museumsleuten und reinen Enthusiasten, das er durch das Abschreiben der Leihkartei als Aufbauhelfer bei der documenta 3 noch erweitern konnte.

1965 reiste er als Kurier für Robert Frazer nach New York, blieb dort, jobbte in der Galerie Cordier & Ekstrom, scoutete gemeinsam mit Richard Bellamy Künstler für Jean Leering, der 1965 die Leitung des Van Abbemuseums übernommen hatte, und lernte Dan Flavin und Bruce Nauman kennen. Um eine Greencard bekommen zu können, ließ er sich von Pontus Hultén zum amerikanischen Repräsentanten des Stockholmer Moderna Museet beauftragen. Er 'entdeckte' On Kawara, kuratierte Claes Oldenburgs erste Werkschau für Stockholm 1966, und arbeitete zusammen mit Konrad Fischer an einem Programm für ein Galerieprojekt, das 1967 in Düsseldorf als Ausstellungen bei Konrad Fischer mit Carl Andres erster Einzelausstellung in Deutschland eröffnet wurde. Im selben Jahr konzipierte und organisierte König mit Andy Warhol für Pontus Hultén die spektakuläre Stockholmer Warhol-Schau von 1968 mit ihrem ebenso spektakulären Katalogbuch. Die Produktion hochwertiger Künstlerbücher wurde noch im gleichen Jahr 1968 institutionalisiert mit Kasper und Walther Königs Gründung des Verlag Gebr. König, der mit Franz Erhard Walthers Objekte, benutzen seine bis heute fortdauernde Reihe erlesener Publikationen einleitete.

1969 kam König - nun 25 Jahre alt - für ein halbes Jahr von New York nach Antwerpen ins Zentrum der dortigen Avantgarde um die Galerie Wide White Space und koordinierte die Aktivitäten des Kunst- und Kommunikationszentrums A 379089, bis dieses von Panamarenko 'gekapert' wurde und König über einen kurzen Zwischenstopp in Brüssel mit seiner jungen Familie zurück nach New York ging. Dort arbeitete er für den Verlag an weiteren Buchprojekten, recherchierte Avantgardefilme für die Kölner Filmwoche (Nov. 1970), suchte zusammen mit Richard Bellamy Künstler für Harald Szeemans documenta 5, 1972, auf der er seinen ersten Posten als Museumsdirektor erhielt - als Direktor des Mouse Museum von Claes Oldenburg.

Am Ende einer Vortragsreise durch die USA, auf der er über Das Buch als primäres Medium für neue Kunst sprach, stellte ihn 1973 das Nova Scotia College of Art and Design in Halifax als Associate Professor ein, für das König insgesamt zehn Künstlerbücher (Bernhard Leitner, Claes Oldenburg, Steve Reich, Yvonne Rainer, Hans Haake, Michael Snow, Donald Judd, Michael Asher, Simone Forti, Paul Émile Borduas) und eine Ausstellung mit A. R. Penck produzierte. Von Halifax aus kuratierte er mit Johannes Gachnang für die Kunsthalle Bern eine Ausstellung mit On Kawara (1974). 1975 übernahm Benjamin Buchloh Königs Posten in Halifax und dieser setzte nun seine Arbeit als freier Kurator fort. 1976 erarbeitete König für das New Yorker Institute for Art and Urban Resources', Vorläufer des PS1, eine Schau mit Michael Asher und erhielt Besuch von Klaus Bußmann, der ihn fürs Jahr 1977 als Kurator für einen Projektbereich der Münsteraner Ausstellung Skulptur gewann, aus dem dann die Reihe der Skulptur Projekte Münster hervorgehen sollte. Im selben Jahr fanden noch zwei weitere Ausstellungen Königs statt: Aspects of Recent Art from Europe: Joseph Beuys, Jannis Kounellis, James Lee Byars bei Sperone Westwater Fischer in New York und eine Ausstellung mit Donald Judd für Jürgen Wißmann im Josef Albers Museum Bottrop.

Im Januar 1978 zog König mit seiner Familie aus New York nach München, wo seine Frau Ilka eine Kunstbuchhandlung eröffnete und er selbst im Jahr 1979 mit einer Vortragsreihe Ausstellungsorganisatoren sprechen über ihre Arbeit und einer Ausstellung mit Werken von 12 Künstlern zu einem der Protagonisten des Münchener "Kulturkampfes" wurde. Durch einen Artikel im Bayernkurier erregte er die Aufmerksamkeit des damaligen Kölner Kulturdezernenten Kurt Hackenberg, der ihn für ein großes Ausstellungsprojekt nach Köln holte - die Westkunst, die allerdings nicht mehr Gegenstand der Sonderschau und der sie begleitenden Publikation ist.

Zur Ausstellung erscheint am 9.4.2014, gefördert von der Kunststiftung NRW, als Doppelheft 23/24 in der vom ZADIK herausgegebenen Reihe sediment. Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels, im Verlag für moderne Kunst Nürnberg, die Publikation Kasper König - The Formative Years, 196 S., ca. 250 SW-Abb., zum Preis von 29 Euro.